Ein schönes Märchen: Private-public-Partnership Leserbrief von Lothar Pues – FAZ vom Mittwoch, 9. April 2014

Durch den Verkauf des Gemäldes „Elegant Lady No. 5“ von Jackson Pollock (F.A.Z. vom 22. März) verliert die Stiftung Museum Kunstpalast (SMKP) in Düsseldorf zweifellos ein wichtiges Werk. Aber sie hat damit die Chance, Sinn für Realität zu gewinnen. Hier geht kein Vertrauen verloren, sondern Naivität. Die Hoffnung ein Private-public-Partnership könnte die öffentliche Kulturförderung substituieren und das schaffen, was man gemeinhin bleibende Werte nennt, ist ein Irrglaube. Auch wenn man einem Unternehmen unterstellt, dass es sich ernsthaft für die Kunst und deren Popularisierung engagiert, bleibt dieses Engagement immer mit dem wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens verbunden. Wenn ein Konzern wie im Fall von Eon 18000 Beschäftigte entlassen muss, wird er das Festhalten an einem Pollock im Wert von 30 Millionen Euro kaum vermitteln können. Hier zählt die Rendite. Auch in der Kunstwirtschaft ist Rendite kein Fremdwort: Auktionshäusern, Galeristen und Investoren und nicht zuletzt auch zahlreichen Künstlern ist der Begriff sicher nicht fremd, wenn es um teure Werke geht. Realismus war Mitte des 19. Jahrhunderts eine der Sachlichkeit verpflichtete Kunstauffasung. Realismus sollte Anfang des 21. Jahrhunderts zu einem prägenden Element für den Kulturbetrieb werden. Private-public-Partnership war immer ein Märchen an das Kulturpolitiker und Museen so lange glauben konnten, wie wirtschaftliches Wachstum es zuließ. Wer öffentliche Sammlungen langfristig hochkarätig ausstatten will, muss öffentliche Gelder für den Kauf oder im Idealfall Stiftungsgelder einsetzen. Eine Leihgabe ist ein auch immer durch wirtschaftliche Erfordernisse zeitlich begrenztes Objekt.


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